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Synchron vs KI

Zahlreiche Medien berichteten über den Streik der Synchronsprechenden, darunter Heise, der Spiegel und auch die Tagesschau. Grund für den Streik ist die Angst, dass Produktionsunternehmen ihre Stimmen ungefragt und ohne Vergütung durch generative KI nachbilden, und die Sprechenden dann letzten Endes ersetzt werden.

Bereits jetzt gibt es im Internet zahlreiche Stimmklone bekannter Synchronstimmen, welche ohne jegliche Zustimmung erstellt und als Voiceover auf Plattformen wie Tiktok verwendet werden.

Forderungen

Der Verband deutscher Sprecher:innen (VDS) – der größte Verband deutscher Synchronsprechenden – startete im April 2025 eine Petition zum Schutz der Kunst vor KI. Dabei geht es nicht darum, Generative KI zu verbieten, sondern um Transparenz und faire Regelungen für das Training und den Einsatz von Generativer KI. Stand Mai 2026 haben über 240.000 Menschen die Petition unterzeichnet.

Rechtliche Hintergründe

Der Vertrag zur Einräumung von Rechten (AOR) legt grundsätzlich fest, dass die Sprecher die Rechte an den Aufnahmen im Rahmen der Synchronproduktion an den Auftraggeber abtritt und diesem die Nutzungsrechte erteilt. Das ist soweit branchenüblich und auch rechtlich notwendig. Unternehmen wie Netflix und Activision Blizzard legten jedoch Verträge vor, welche ebenfalls das Recht zum KI-Training ohne zusätzliche Vergütung umfasst.

(Redaktioneller Hinweis: Dieser Text soll grundlegend über die Entwicklungen informieren, weshalb nicht näher auf die Regelungen des Urheberrechtsgesetzes eingegangen wird. Für eine Bewertung und Meinungsbildung sollte man sich aber auch zum Urheberrecht informieren.)

Ergänzungsvereinbarung als Schutz vor KI

Die Bundesverband Schauspiel (BFFS) einigte sich im April 2025 für seine Mitglieder auf eine Ergänzungsvereinbarung mit Netflix zur KI-Nutzung. Dabei werden Verwertungen des Materials durch oder mit Generativer KI in den Bereichen “Digitale Bearbeitung”, "Digitale Nachbildung" und “Synthetische Stimmen” geregelt. Nach dieser Vereinbarung müssen Synchronsprecher*innen weiterhin eine separate Zustimmung erteilen, damit angefertigte Stimm-Klone verwendet werden oder die Stimme digital bearbeitet werden darf (ausgenommen “übliche Nachbearbeitungen” sowie "Änderungen am Dialog, die für die Lizenzierung oder den Verkauf an einen bestimmten Markt erforderlich sind", s. Abschnitt K 3 a i. der Ergänzungsvereinbarung).

Reaktionen auf die neuen Netflix-Verträge

Seit 2026 legt Netflix Verträge vor, welche auch die mit dem BFFS ausgehandelten Vereinbarungen aufgreifen (s. Netfix AOR Anhang 1). Der VDS gab daraufhin im Februar 2026 ein Rechtsgutachten bei Spirit Legal zur rechtlichen Einordung der neuen Verträge in Auftrag. Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass die Verträge in Verbindung mit dem Patent von Netflix den Einsatz generativer KI zur Synchronisation massiv erleichtert, ohne dass die Rechte der Beteiligten ausreichend geschützt werden. Insbesondere wird bemängelt, dass die vorgesehenen zusätzlichen Zustimmungen zu weit gefasst seien oder sogar ohne Zustimmung eine Nutzung für KI-Trainingsprozesse ermöglicht werden könne. Daher wurde die Empfehlung ausgesprochen, die Verträge nicht zu unterschreiben.

Im März 2026 erfolgte als Reaktion wiederum eine vom BFFS in Auftrag gegebene Überprüfung des VDS-Gutachtens, welche – nach eigener Formulierung – die rechtlichen Ausgangslage und fehlende Nachweise bemängelt. (Disclaimer: Da wir rechtlich keinerlei Fachkenntnisse haben, können und wollen wir hier keine weitere Einordnung vornehmen.)

Reaktionen & Folgen

Netflix-Streik

Viele Sprechende weigern sich, die neuen Netflix-Verträge zu unterzeichnen. Sie fürchten, durch KI-Stimmen früher oder später ersetzt zu werden, da diese mit ihren Stimmen trainiert werden sollen, ohne eine angemessene Vergütung oder Kontrolle darüber zu erhalten (s. Gutachten des VDS oben).

Laut einem Bericht von DWDL erwäge Netflix, bei anhaltenden Streiks die Serien eine Zeit lang nur noch mit deutschen Untertiteln zu veröffentlichen, statt mit einer deutschen Tonfassung. 

Ebenso gibt es Initiativen von Fans, beispielsweise https://nicht-nett-flix.de, bei der über 16.000 Menschen angaben, ihr Netflix-Abo aus Solidarität zu den Synchronschauspieler*innen zu kündigen.

Synchronstimmen-Wechsel bei Overwatch

Viele Sprechende beim Blizzard-Shooter Overwatch legten aufgrund von KI-Vorgaben ihre Rollen nieder. Es kam zu Umbesetzungen bei beliebten Charakteren wie Mercy (Farina Brock), Soldier 76 (Martin Kessler) und Winston (Matti Klemm) [s. Couch Co-op / GameStar Talk].

Politisches Engagement in Deutschland

Am 20. Mai 2026 gab es eine Anhörung im Berliner Abgeordnetenhaus zum Thema “Gefahren und Chancen von generativer KI für den Film- und Medienstandort Berlin” mit Sachverständigen aus der Filmproduktions-, KI- und Synchronbranche. Die komplette Aufzeichnung ist auf YouTube verfügbar (27:27-1:50:20).

Regelungen in anderen Ländern

In Mexiko werden knapp zwei Drittel der Synchronisationen für Lateinamerika produziert. Mexiko will ein Bundesurheberrechtsgesetz auf den Weg bringen, welches die menschliche Stimme als “einzigartiges und unwiederholbares” Werkzeug anerkennt und so rechtlichen Schutz zuspricht. Dieser Schutz umfasst, dass keine Stimme ohne Zustimmung des Rechteinhabers geklont oder verwendet werden darf, und dass eine Verwendung durch KI finanziell vergütet werden muss.

Auch Dänemark legte einen Gesetzesentwurf vor, welcher einen allgemeinen Schutz vor realitätsnahen, digital erzeugten Nachbildungen persönlicher Merkmale (z. B. Aussehen, Stimme, …) sowie einen Nachahmungsschutz für ausübende Künstler*innen. Das Gesetz zielt darauf ab, eine Rechtsgrundlage gegen Deep Fakes und sonstigen Missbrauch von Stimmen und Aussehen zu schaffen.

Wohin geht die Reise?

Generative KI verändert die Gesellschaft in allen Schichten. Ebenso wird sie viele Berufe und auch die Synchronbranche langfristig verändern. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Debatte, wie wichtig klare Regeln zum Schutz von Stimmen, Persönlichkeitsrechten und kreativer Arbeit sind. Es wichtig, dass wir uns mit diesem Thema auseinandersetzen und Möglichkeiten zu finden, sie als Werkzeug zu nutzen, ohne dass Persönlichkeitsrechte verletzt werden.

Wer tiefer in die Debatte rund um Kunst, Medien und KI eintauchen möchte, kann dies bei der Veranstaltung “Beyond the Voices” tun. Dort kommen unterschiedliche Perspektiven aus Kreativbranche, Medien und Technologie zusammen, um über Chancen und Herausforderungen der KI-Entwicklung zu sprechen. Hier findest du eine Übersicht unserer Thementage.